Idar-Oberstein – die Edelstein-Stadt

Idar-Oberstein

Zwar bin ich in Idar-Oberstein nicht geboren, aber aufgewachsen. Und obwohl ich schon lange nicht mehr dort lebe, liebe ich die Stadt immer noch sehr.

Idar-Oberstein, im Südwesten Deutschlands gelegen, ist von der Einwohnerzahl her eine kleine Stadt mit etwa 36.000 Einwohnern. Doch trotz der geringen Größe gilt sie als Edelstein-Metropole Deutschlands, wahrscheinlich sogar Europas, und ist weltweit unter Fachleuten bekannt.

Dass sich die Edelstein-Industrie hier in dieser dünnbesiedelten Gegend am Südrand des Hunsrücks etablieren konnte, resultiert aus den Edelsteinfunden in den umliegenden Bergen. Diese Edelsteinvorkommen verdanken wir einem Vulkanausbruch vor vielen Millionen Jahren. Lava sprudelte hervor, Gasblasen stiegen aus der Tiefe der Erde empor, die Lava an der Oberfläche erkaltete und die Gasblasen waren im Gestein gefangen. Dort bildeten sie runde oder ovale Hohlräume. Durch spätere geologische Ereignisse durchdrang Kieselsäure (flüssiger Quarz) das erkaltete Gestein und füllte die Hohlräume aus.

Wurde der Hohlraum komplett gefüllt, bildeten sich Achate oder Jaspise. Doch da der Quarz sich von außen zur Mitte hin bildete, blieb oft ein Raum im Inneren frei, wo die Quarzmasse dann auskristallisierte. So entstanden die Bergkristall- und Amethyst-Kristalle im Inneren.

Achat-Druse mit Amethyst- und Calcit-Kristallen | atelier ie.

Achat- und Amethyst-Druse mit bräunlichen Calcit-Einlagerungen

Diese Mineralien aus der Quarzfamilie waren die Voraussetzung dafür, dass sich die Edelstein-Industrie in Idar-Oberstein entwickeln konnte. Sie waren gut zu verarbeiten, auch mit den einfachen Möglichkeiten, über die man damals verfügte.

Die kugel- oder ovalförmigen Quarze nennt man Drusen, Geoden oder auch Mandeln. Sie sind von Muttergestein umgeben. Allerdings sind sie nur locker mit dem Gestein verbunden, so dass man sie relativ einfach herausklopfen kann. Das muss man aber gelernt haben. Macht man es nicht richtig, zerstört man die Druse.

Die Achate und Jaspise um Idar-Oberstein sind besonders schön gemasert. Sie haben zarte, pastellige Farben, wie Sie auf dem Foto sehen können. Die Einheimischen nennen sie „Hiesiglandssteine“.

Jaspis-Druse mit Bergkristall | atelier ie.

Ein typischer “Hiesiglandsstein”: heller Jaspis mit Bergkristallen in der Mitte

Heute findet man im Idar-Obersteiner Handel neben den Quarzen die ganze Bandbreite der weltweit geförderten Edelsteine. Wie es dazu kam, erzähle ich Ihnen dann demnächst.

Ihre Ingrid Eisenbeis

Titelfoto von Eric T Gunther; Fotos der Drusen von Ingrid Eisenbeis